Der Kurs ist der letzte gehandelte Preis — ein Kompromiss aus Angebot und Nachfrage.
Der Sticker, den alle wollen
In deiner Klasse gibt es einen ganz besonderen Sticker. Nur ein Kind hat ihn. Und fast alle anderen wollen ihn auch haben.
Wie viel ist er wert? Ein Kind sagt: „Ich gebe dir drei Sticker dafür.“ Ein anderes sagt: „Ich gebe dir vier.“ Je mehr Kinder ihn wollen, desto mehr wird dafür geboten.
Und wenn ihn keiner mag?
Wenn der Sticker plötzlich niemandem mehr gefällt, bietet keiner mehr viel. Der Besitzer muss ihn vielleicht für einen einzigen anderen Sticker hergeben. Der Sticker ist weniger wert geworden.
So ist es auch bei Aktien
Der Preis einer Aktie heißt Kurs. Er entsteht genauso:
Wollen viele Menschen die Aktie kaufen, wird sie teurer.
Wollen viele sie loswerden, wird sie billiger.
Dabei ändert sich der Preis nicht, weil jemand ihn bestimmt. Er entsteht, weil viele Menschen gleichzeitig kaufen oder verkaufen wollen.
Probier es aus
Schieb die Regler und schau, was mit dem Preis passiert.
Kurs-Wippe
Viele wollen kaufen oder verkaufen? Schau, was mit dem Preis passiert.
Beispiel-Kurs: 50 € Ungefähr ausgeglichen
Merksatz
Der Kurs einer Aktie ist ihr Preis. Er steigt, wenn viele sie kaufen wollen, und sinkt, wenn viele sie verkaufen wollen.
Kurz-Quiz
Was passiert mit dem Preis, wenn alle einen Sticker haben wollen?
Der Kurs ist ein Preis
Der Aktienkurs ist der Preis, zu dem eine Aktie gerade gekauft oder verkauft wird. Er ändert sich im Laufe des Tages, manchmal in Sekunden.
Niemand setzt diesen Preis allein fest. Er entsteht an der Börse aus allem, was Käufer und Verkäufer tun wollen.
Angebot und Nachfrage
Angebot: Wie viele Aktien wollen die Leute verkaufen?
Nachfrage: Wie viele Aktien wollen die Leute kaufen?
Sind mehr Käufer da als Verkäufer, bieten die Käufer mehr, um zum Zug zu kommen. Der Kurs steigt. Sind mehr Verkäufer da, senken sie ihren Preis, um jemanden zu finden. Der Kurs fällt.
Kurs-Wippe
Viele wollen kaufen oder verkaufen? Schau, was mit dem Preis passiert.
Beispiel-Kurs: 50 € Ungefähr ausgeglichen
Warum wollen Leute kaufen oder verkaufen?
Ein Kurs ändert sich, wenn sich Meinungen ändern. Zum Beispiel:
Die Firma hat gute Zahlen gemeldet, also viel verdient.
Ein neues Produkt begeistert viele Kunden.
Es gibt Probleme, etwa eine Fabrik, die ausfällt.
Die Leute haben Angst und wollen lieber Geld sicher haben.
Meistens hängt es nicht davon ab, was heute ist, sondern was die Leute für die Zukunft erwarten.
Der Kurs sagt nicht alles
Ein hoher Preis heißt nicht automatisch, dass die Firma toll ist. Und ein niedriger Preis heißt nicht, dass die Aktie ein Schnäppchen ist. Eine Aktie, die 200 € kostet, kann günstiger sein als eine für 20 €, wenn die Firma dahinter viel mehr verdient. Es kommt darauf an, wie viel Firma man für den Preis bekommt.
Mini-FAQ
Wer entscheidet, wie teuer eine Aktie ist?
Niemand allein. Alle Käufer und Verkäufer zusammen.
Warum ändert sich der Kurs den ganzen Tag?
Weil ständig neue Nachrichten kommen und ständig neue Kauf- und Verkaufswünsche eingehen.
Kann man den Kurs vorhersagen?
Nein, nicht zuverlässig. Auch Fachleute liegen oft daneben.
Kurz-Quiz
Eine Firma meldet schlechte Nachrichten. Viele Anleger wollen verkaufen. Was passiert am ehesten mit dem Kurs?
Der Kurs als Ergebnis vieler Entscheidungen
Der Aktienkurs ist der Preis, zu dem ein Handel zuletzt zustande kam. Er steht nicht fest, sondern wird ständig neu ausgehandelt, und zwar von allen, die gerade kaufen oder verkaufen wollen: Privatleute, Banken, Fonds.
Das Orderbuch: Wie Angebote zusammenfinden
Jeder Kauf- oder Verkaufswunsch heißt Order. Alle Orders landen in einem Orderbuch:
Kaufaufträge nennen einen Höchstpreis, den jemand bezahlen würde (Geldkurs).
Verkaufsaufträge nennen einen Mindestpreis, den jemand haben will (Briefkurs).
Ein Handel kommt zustande, wenn sich beide Seiten treffen. Der Preis dieses Handels ist der neue Kurs. Dazwischen liegt immer ein kleiner Abstand, die Spanne.
Beispiel: Käufer bieten höchstens 49,90 €, Verkäufer wollen mindestens 50,10 €. Dann gibt es erst einen Handel, wenn einer nachgibt. Wer sofort kaufen will, zahlt 50,10 €. Wer sofort verkaufen will, bekommt 49,90 €.
Angebot und Nachfrage
Kurs-Wippe
Viele wollen kaufen oder verkaufen? Schau, was mit dem Preis passiert.
Beispiel-Kurs: 50 € Ungefähr ausgeglichen
Je mehr Menschen zu einem bestimmten Preis kaufen wollen, desto eher steigt der Kurs. Wollen mehr verkaufen, fällt er. Und weil jeden Tag neue Informationen auftauchen, ändert sich das Gleichgewicht ständig.
Was beeinflusst die Erwartungen?
Unternehmenszahlen: Gewinn, Umsatz, Ausblick. Wichtig ist dabei, ob sie besser oder schlechter als erwartet sind.
Branchen- und Weltnachrichten: neue Gesetze, Rohstoffpreise, Konflikte.
Zinsen: Steigen die Zinsen, werden sichere Anlagen attraktiver, und Aktien verlieren oft an Reiz.
Stimmung: Optimismus oder Angst kann Kurse über das hinaus bewegen, was die Fakten hergeben.
Kurs und Wert sind nicht dasselbe
Der Kurs zeigt, was Menschen heute zahlen. Der innere Wert einer Firma ist schwerer zu messen. Beides kann weit auseinanderliegen. Manchmal sind Aktien übertrieben teuer, manchmal zu Unrecht billig. Das merkt man oft erst im Rückblick.
Der Börsenwert (Marktkapitalisierung) eines Unternehmens ist Kurs mal Anzahl der Aktien. Eine Firma mit 10 Millionen Aktien zu 50 € ist an der Börse 500 Millionen € wert.
Mini-FAQ
Warum sinkt ein Kurs manchmal ohne schlechte Nachrichten?
Weil auch Stimmung, Zinsen oder große Verkäufe einzelner Anleger den Kurs bewegen können.
Gibt es für alle Aktien denselben Kurs?
Fast. An verschiedenen Handelsplätzen können die Kurse leicht abweichen.
Kann man mit Kursen schnell reich werden?
Wer das verspricht, sollte misstrauisch machen. Kurse schwanken in beide Richtungen, und niemand kann sie sicher vorhersagen. Sprich bei Fragen zum Thema mit deinen Eltern.
Kurz-Quiz
Ein Unternehmen meldet einen Gewinn, der höher ist als erwartet. Was ist am wahrscheinlichsten?
Wie der Kurs zustande kommt
Der Aktienkurs ist der Preis, zu dem zuletzt eine Aktie gekauft und verkauft wurde. Niemand legt ihn fest. Er entsteht an der Börse wie bei einer laufenden Auktion: Kaufwünsche und Verkaufswünsche treffen aufeinander.
Alle diese Wünsche landen in einer Liste, dem Orderbuch. („Order“ heißt Auftrag.) Die Börse sortiert sie nach festen Regeln: Das beste Angebot geht vor. Bei gleichem Preis gewinnt, wer zuerst da war.
Zwei Preise sind besonders wichtig:
Der Geldkurs ist der höchste Preis, den Käufer gerade bieten.
Der Briefkurs ist der niedrigste Preis, den Verkäufer verlangen.
Dazwischen liegt die Spanne - also der Abstand zwischen beiden. Bei Aktien, die oft gehandelt werden, ist die Spanne klein. Bei selten gehandelten Aktien ist sie groß. Wer sofort kauft und sofort wieder verkauft, zahlt diese Spanne als unsichtbare Kosten.
Es gibt zwei typische Auftragsarten:
Mit einer Marktorder kaufst oder verkaufst du sofort zum besten Preis, der gerade da ist.
Mit einer Limitorder sagst du: „Nur zu diesem Preis oder besser.“ Dafür kann es sein, dass dein Auftrag gar nicht ausgeführt wird.
Angebot, Nachfrage und Erwartungen
Kurs-Wippe
Viele wollen kaufen oder verkaufen? Schau, was mit dem Preis passiert.
Beispiel-Kurs: 50 € Ungefähr ausgeglichen
Der Kurs bewegt sich hin und her, bis Käufer und Verkäufer sich bei einem Preis einig sind. Dahinter stecken meist Erwartungen: Was wird die Firma in Zukunft verdienen?
Fachleute rechnen so: Der Wert einer Aktie ist ungefähr die Summe aller künftigen Gewinne - aber auf heute abgezinst. Das bedeutet: Geld, das du erst in zehn Jahren bekommst, ist heute weniger wert als 100 € in der Hand. Warum das so ist, steht unten im Aufklapp-Kasten.
Deshalb reagieren Kurse oft stark, wenn die Zentralbank die Zinsen ändert. Die Zentralbank ist die Bank der Banken - in der Eurozone zum Beispiel die Europäische Zentralbank. Steigen die Zinsen, wirken künftige Gewinne heute weniger wert. Viele Aktienkurse fallen dann.
Was schon „drin“ ist
Wenn fast alle eine Nachricht erwarten, steckt sie im Kurs oft schon drin. Fachleute sagen: Sie ist eingepreist. Dann bewegt sich der Kurs bei der Bekanntgabe kaum - oder sogar in die andere Richtung.
Entscheidend ist die Überraschung: die Lücke zwischen dem, was die Leute erwartet haben, und dem, was wirklich passiert. Eine gute Nachricht, die alle schon kannten, ändert wenig. Eine schlechte Nachricht, die besser ausfällt als befürchtet, kann den Kurs sogar steigen lassen.
Manche sagen deshalb: Kurse spiegeln schon alle bekannten Infos wider, und es ist schwer, den Markt dauerhaft zu schlagen. Ob das ganz stimmt, streiten Fachleute. Klar ist: Wer glaubt, er wisse etwas, was „alle anderen“ nicht wissen, sollte misstrauisch gegenüber sich selbst sein.
Wer bewegt Kurse?
Institutionelle Anleger - also Fonds, Versicherungen und Banken - handeln oft sehr große Mengen und können Kurse bewegen.
Privatanleger sind in der Summe wichtig, einzeln meist ohne Einfluss.
Spezielle Händler stellen laufend Kauf- und Verkaufspreise, damit immer jemand da ist. Man nennt sie Market Maker.
Computerprogramme reagieren in Bruchteilen von Sekunden auf Nachrichten und Preisbewegungen.
Psychologie und Übertreibung
Kurse folgen nicht nur Zahlen. Sie folgen auch Stimmung. Wenn alle kaufen, weil alle kaufen, können Preise zu hoch werden. Solche Übertreibungen nennt man Blasen. In Abschwüngen kann Angst Kurse zu stark nach unten drücken.
Wer das kennt, versteht besser, warum Kurse oft stärker schwanken als die Unternehmenszahlen selbst.
Mini-FAQ
Warum kann ein Kurs steigen, obwohl die Zahlen schlecht sind?
Wenn der Markt noch schlechtere Zahlen erwartet hatte, überwiegt die positive Überraschung.
Was bedeutet „Kursziel“?
Eine Schätzung von Analysten, wo eine Aktie in Zukunft stehen könnte. Sie ist unsicher und keine Garantie.
Kann ein Kurs manipuliert werden?
Es gibt Versuche. Marktmanipulation - also Kurse absichtlich mit Tricks oder falschen Nachrichten zu bewegen - ist verboten und wird verfolgt. Ganz verhindern lässt sie sich aber nicht.
Kurz-Quiz
Wovon hängt es vor allem ab, ob ein Kurs auf eine Nachricht reagiert?