Der Zinssatz sagt, wie teuer geliehenes Geld ist — oder wie viel Spargeld wächst.
Ein Dankeschön fürs Aufheben
Ben leiht seiner Schwester 10 €. Die will davon ein Spiel kaufen. „Ich gebe dir das Geld nächste Woche wieder“, sagt sie. Und weil Ben so lange auf sein Geld verzichtet, sagt sie noch: „Ich lege 1 € extra drauf als Dankeschön.“
Dieses Extra-Geld heißt Zinsen.
Zinsen beim Sparen
Wenn du Geld zur Bank bringst, benutzt die Bank dein Geld eine Weile. Es liegt nicht still herum, sondern sie leiht es an andere weiter. Als Dankeschön bekommst du manchmal ein bisschen Extra-Geld. Wenn du 100 € hast, werden daraus nach einer Zeit vielleicht 102 €. Die 2 € sind Zinsen.
Zinsen beim Leihen
Es geht auch andersherum. Wenn sich ein Erwachsener Geld von der Bank leiht, muss er später mehr zurückgeben, als er bekommen hat. Das Extra ist wieder Zinsen. Es ist das Dankeschön an die Bank, denn sie musste lange auf ihr Geld warten.
Merksatz
Zinsen sind Extra-Geld für Geld, das jemand eine Zeit lang benutzt. Beim Sparen bekommst du sie, beim Leihen zahlst du sie.
Kurz-Quiz
Wer bekommt Zinsen, wenn du Geld auf dein Sparkonto legst?
Was sind Zinsen?
Zinsen sind der Preis dafür, dass jemand Geld für eine bestimmte Zeit benutzen darf. Wer sein Geld verleiht, bekommt Zinsen. Wer sich Geld leiht, zahlt Zinsen.
Zwei Seiten, ein Prinzip
Beim Sparen leihst du der Bank dein Geld. Sie zahlt dir dafür Habenzinsen, denn auf deinem Konto steht ein Guthaben, also ein „Haben“.
Bei einem Kredit leiht dir die Bank Geld. Du zahlst Sollzinsen, weil du Schulden hast, also etwas „sollst“.
Die Bank zahlt für Sparguthaben weniger Zinsen, als sie für Kredite verlangt. Von diesem Unterschied lebt sie.
Der Zinssatz: Prozent pro Jahr
Zinsen werden als Prozent pro Jahr angegeben, kurz p. a. (lateinisch „pro anno“). Bei 2 % p. a. bekommst du auf 100 € in einem Jahr 2 € Zinsen.
Probier es selbst aus
Stelle Startbetrag, Zinssatz und Jahre ein. Schau, wie die Zinsen mit der Zeit wachsen.
Wie viel Zinsen bekomme ich?
Einfache Zinsen: jedes Jahr der gleiche Zuschlag auf den Startbetrag.
Nach 3 Jahren: 115 € (davon Zinsen: 15 €)
Mini-FAQ
Gibt es immer Zinsen?
Nein. Manche Konten zahlen 0 %. Dann wächst dein Geld nicht von allein. Wie viel Zinsen es gibt, ändert sich im Lauf der Jahre.
Warum zahlt die Bank überhaupt Zinsen?
Weil sie dein Geld weiterverleiht und damit selbst Zinsen bekommt. Ein Teil davon geht an dich.
Und wenn ich mir von Freunden Geld leihe?
Unter Freunden gibt es meist keine Zinsen. Das ist eine Frage von Vertrauen. Banken dagegen arbeiten mit Zinsen, weil das ihr Geschäft ist.
Kurz-Quiz
Du sparst 100 € bei 4 % Zinsen pro Jahr. Wie viel Zinsen bekommst du nach einem Jahr?
Was sind Zinsen?
Zinsen sind das Entgelt für die Überlassung von Geld über eine bestimmte Laufzeit. Der Zinssatz gibt an, wie viel Prozent des Betrags pro Jahr gezahlt werden.
Haben- und Sollzins
Habenzins: Das bekommst du auf dein Guthaben.
Sollzins: Das zahlst du auf geliehenes Geld.
Zwischen beiden liegt eine Spanne. Das ist ein wichtiger Teil vom Verdienst der Bank.
Die Zinsformel
Für ein Jahr gilt:
Zinsen = Betrag × Zinssatz
Wird der Zeitraum länger, zahlt man bei einfachen Zinsen jedes Jahr denselben Betrag:
Zinsen = Betrag × Zinssatz × Jahre
Einfache Zinsen ausprobieren
Einfache Zinsen: jedes Jahr der gleiche Zuschlag auf den Startbetrag.
Nach 3 Jahren: 115 € (davon Zinsen: 15 €)
Zinseszins: Zinsen auf Zinsen
Bleiben die Zinsen auf dem Konto, werden sie im nächsten Jahr mitverzinst. Dann bekommst du Zinsen auch auf die Zinsen. Das nennt man Zinseszins. Auf kurze Zeit macht das kaum einen Unterschied, auf viele Jahre schon.
Zinseszins ausprobieren
Zinsen werden jedes Jahr auf den neuen Betrag berechnet (Zinseszins).
Nach 3 Jahren: 116 € (davon Zinsen: 16 €)
Stelle den Regler auf eine lange Zeit und vergleiche mit dem Rechner darüber. Je länger das Geld liegt, desto größer wird der Abstand. Mehr dazu im Artikel zum Zinseszinseffekt.
Wer bestimmt die Höhe der Zinsen?
Jede Bank legt ihre Zinsen selbst fest, aber nicht frei von Einflüssen. Eine große Rolle spielt der Leitzins der Zentralbank (in der Eurozone die EZB). Zu diesem Zinssatz leiht die Zentralbank den Banken Geld. Steigt er, werden Kredite meist teurer, und manche Sparkonten bringen mehr. Sinkt er, ist es umgekehrt. Das passiert mit Verzögerung und nicht bei jeder Bank gleich.
Hinzu kommen Laufzeit, Risiko und Wettbewerb: Wer einer Bank sein Geld länger überlässt, bekommt oft mehr. Wer als Kreditnehmer unsicher wirkt, zahlt oft mehr.
Kurz-Quiz
Du legst 200 € für 2 Jahre bei 5 % einfachen Zinsen an. Wie hoch sind die Zinsen insgesamt?
Worum es geht
Ein Zins ist der Preis dafür, dass jemand Geld eine Zeit lang benutzen darf. Oder anders gesagt: der Preis dafür, dass Kaufkraft - also die Macht, Dinge zu kaufen - von heute in die Zukunft verschoben wird.
Drei Dinge stecken hinter der Höhe:
Zeit: Die meisten Menschen wollen lieber heute 100 € als in einem Jahr. Wer wartet, will dafür belohnt werden. Fachleute nennen das Zeitpräferenz - die Vorliebe für „jetzt“ statt „später“.
Risiko: Der Kreditnehmer könnte nicht zurückzahlen. Je höher dieses Risiko, desto höher meist die Zinsen.
Erwartete Inflation: Wenn Preise steigen, ist ein Euro in einem Jahr weniger wert. Der Zins soll das teilweise ausgleichen.
Drei Zinssätze, die man verwechseln kann
Nominalzins - der Satz, der im Vertrag steht. „Nominal“ heißt hier: die Zahl auf dem Papier.
Realzins - ungefähr Nominalzins minus Inflationsrate. Er zeigt, wie sich die Kaufkraft wirklich verändert.
Effektivzins - der Jahreszins bei einem Kredit, der Gebühren und die Art der Zinsberechnung mit einrechnet. Nur er macht verschiedene Kreditangebote fair vergleichbar.
Zinseszins: Zinsen auf Zinsen
Bleiben die Zinsen auf dem Konto, werden sie im nächsten Jahr mitverzinst. Das nennt man Zinseszins. Die Formel lautet: Endbetrag = Anfangsbetrag × (1 + Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre.
Das Wachstum ist nicht jedes Jahr die gleiche feste Summe. Es wird mit der Zeit immer steiler - Fachleute sagen exponentiell. Deshalb macht bei langen Zeiträumen oft die Dauer mehr aus als ein etwas höherer Zinssatz.
Zinseszins: Zeit und Zinssatz im Vergleich
Zinsen werden jedes Jahr auf den neuen Betrag berechnet (Zinseszins).
Nach 3 Jahren: 116 € (davon Zinsen: 16 €)
Probiere zum Beispiel 100 € bei 5 % für 10, 20 und 30 Jahre aus. Aber Vorsicht: Hohe Zinsen gibt es meist nur für höheres Risiko. Steuern, Gebühren und Inflation drücken den echten Ertrag.
Wer bestimmt die Zinsen?
Die Europäische Zentralbank (kurz EZB) legt die Leitzinsen fest - die Zinsen, zu denen sich Banken bei ihr Geld leihen oder parken können. Das beeinflusst indirekt, was Kredite und Sparkonten kosten.
Langfristige Zinsen - zum Beispiel für Anleihen des Staates über zehn Jahre - setzt dagegen der Markt: Erwartungen zu Wachstum, Inflation und Zinspolitik. Vergleicht man kurze und lange Laufzeiten, entsteht die Zinsstruktur. Normalerweise bringen längere Laufzeiten höhere Zinsen. Laufen kurze Zinsen höher als lange, spricht man von einer umgekehrten Zinsstruktur. Das gilt oft als Warnzeichen, dass die Wirtschaft abkühlen könnte.
Negative Zinsen
Zwischen 2014 und 2022 lag der Einlagenzins der EZB zeitweise unter null. Banken mussten dann Gebühren zahlen, wenn sie Geld bei der Zentralbank parkten. Manche gaben das als Verwahrentgelt an Kunden weiter - also eine Gebühr dafür, Geld zu verwahren. Das zeigt: Zinsen sind kein Naturgesetz. Sie hängen von Wirtschaftslage und Politik ab.
Kurz-Quiz
Dein Sparzins ist 1 %, die Inflation 4 %. Was stimmt?